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News / 16. June 2009

Streik für ein besseres Bildungssystem

Schavan

Über 70 lokale Bündnisse von Schülerinnen, Schülern und Studierenden rufen in dieser Woche zu einem bundesweiten Bildungsstreik auf. Die vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di unterstützt die Proteste anlässlich des Treffens der Kultusministerkonferenz und des Jahrestages der Bologna-Erklärung zur Reform der Hochschulen in Europa. “Bildung braucht keine Auslese, sondern Qualität. Wir fordern ein Grundrecht auf Ausbildung und freien Zugang zu den Hochschulen”, sagt Frank Werneke, stellvertretender ver.di-Vorsitzender zum Auftakt der Streikwoche.

*Die jungen Menschen setzen sich für ein sozial gerechtes, öffentliches Bildungswesen ein. “Qualitativ gute Bildung ist die Voraussetzung für gesellschaftlichen Wohlstand. Mit Sonntagsreden allein lässt sich aber weder die Ausbildungsmisere noch die schlechte Studienqualität verbessern”, kritisiert Werneke. In beiden Konjunkturpaketen sei kein Geld für die Bildungsqualität vorgesehen. Die Bundesregierung investiert lediglich in die Sanierung baufälliger Schul- und Hochschulgebäude. Die DGB-Gewerkschaften fordern dagegen zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Bildung und Wissenschaft.

In den vergangenen Jahren hat das deutsche Bildungssystem bei nationalen und internationalen Vergleichsstudien durchwegs schlecht abgeschnitten. So ist die Zahl der Jugendlichen ohne Qualifikation überdurchschnittlich hoch. Hauptschüler haben kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Fast eine halbe Million junger Menschen stecken in Warteschleifen zwischen Schule und Beruf fest. Die Situation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist ebenfalls sehr bedenklich. Im Vergleich zu ihren deutschen Mitschülern verlassen sie die Schule doppelt so häufig ohne Abschluss. Auch von den Hochschulen werden immer mehr Menschen ausgeschlossen. In den vergangenen Jahren ist es hierzulande nicht gelungen, die Zahl der Studienanfänger signifikant zu erhöhen. Studiengebühren erschweren den Zugang zur universitären Bildung noch weiter.

Die Gewerkschaft unterstützt den Bildungsstreik auch als Fortsetzung der Proteste gegen die bisherige Krisenpolitik. Nicht nur im Bildungssystem sei ein grundsätzliches Umdenken nötig. Ohne soziale Gerechtigkeit ließen sich die Probleme dieses Jahrhunderts nicht lösen, so ver.di.

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(Bonner AStA-Zeitung 66/67)