Themen


Dossiers


News / 10. February 2009 - 14:13 Uhr

Rektoratsbesetzung an der PH Freiburg

Studiengebühren

Erfolg durch Blockade der Verwaltung Nach mehr als 24 Stunden endete die Besetzung des Rektorats an der PH Freiburg am Freitag um 13:30 Uhr. Nachdem am Donnerstag nur die Flure besetzt wurden, legten die Studierenden am Freitag, durch die Blockade eines gesamten Stockwerks die Hochschulverwaltung lahm und erhöhten so den Druck auf Rektor Ulrich Druwe. Am ersten Abend der Rektoratsbesetzung fand das zweite öffentliche Gespräch mit dem Rektor statt. Alle wichtigen Forderungen und Anfragen der Studierenden wies Druwe dabei ohne zu zögern ab: „Ich kann gar nichts! Ich kann nur im Rahmen der Gesetze agieren“, so sein O-Ton. „Die ganze Nacht hindurch und während vieler Plena, an denen PH’ler, viele Studierende der anderen Freiburger Hochschulen und auch UnterstützerInnen aus Heidelberg teilnahmen, wurden die Forderungen diskutiert, ergänzt und ausgearbeitet“ erläutert Ulrich Blaschka, Sprecher des bildungspolitischen Referates, das Vorgehen. Da in den Verhandlungen kein Entgegenkommen von Seiten des Rektors zu erkennen war, wurde am nächsten Morgen der erste Stock des KG II, also die Gänge des Rektorats blockiert. Es war kein Durchkommen mehr möglich. Nicht einmal die Androhung des Rektors, das Gebäude von der Polizei räumen zu lassen, konnte die BesetzerInnen von ihren Forderungen abbringen. Im Gegenteil, die Studierenden überreichten Rektor Druwe im Anschluss an die 10-Uhr-Vollversammlung einen ausformulierten Forderungskatalog. Letzten Endes musste er sich dem Druck beugen. Das Ergebnis der zum ersten Mal ernsthaft geführten Verhandlungen war, dass der Rektor zusagte gebührenkritische Papiere der Studierenden in die Landesrektorenkonferenz einzubringen. Hält er sein Versprechen, dann würde er endlich die Interessen eines Großteils der PH Studierenden öffentlich machen. Außerdem wird die den Boykottierenden zuvor angedrohte Mahngebühr nicht erhoben. Was nach Aussage des Rektors in der Verhandlung vom Vortag rechtlich gar nicht möglich wäre, wurde plötzlich doch umgesetzt. „Nichtsdestotrotz hat er nur eine Unverschämtheit, die er zuvor begangen hat, zurückgenommen“ empört sich eine Besetzterin über die vorherigen Drohgebärden des Rektors. Nach etwas mehr als 24 Stunden Besetzung verließen die Studierenden das Rektorat mit dem Gefühl, doch etwas bewegen zu können. Laut UStA-Mitglied Tom Peters waren die Verhandlungen nicht zufrieden stellend, „der Zusammenhalt der Studierenden jedoch war einzigartig.“ Damit wurde bewiesen, dass es sich lohnt, sich für seine Forderungen einzusetzen, dass Hochschulpolitik nicht nur von hohen Herren gemacht werden muss, sondern die Studierenden selbst Einfluss nehmen können. „Wir haben hier gezeigt, dass man mit uns verhandeln kann“ erklärt Ex-Landesastensprecher Jean Michael Kramer. „Der Rektor muss noch lernen, die Interessen der Studierenden zu vertreten, sonst kommt es wohl bald wieder zu direkten Auseinandersetzungen“, ergänzt ein Sprecher der gebührenFRei-Kampagne. In den letzten Tagen wurden viele Studierende politisiert, die Hochschulpolitik nun mit anderen Augen sehen und das weitere Vorgehen des Rektorats kritisch beobachten werden. „Wir haben erfahren, dass eine Besetzung ein Mittel ist, unsere Forderungen öffentlich zu machen und Druck auszuüben. Laut einer Besetzerin "könnte das hier nicht die letzte Besetzung gewesen sein.“

Die Stärke der Linken kann heute genau in diesen kleinen konkurrierenden Protestgruppen liegen, die an vielen Stellen gleichzeitig aktiv sind, in einer Art von politischer Guerillabewegung im Frieden oder im sogenannten Frieden, aber - und das ist, glaube ich, der wichtigste Punkt - in kleinen Gruppen, die sich auf lokale Aktivitäten konzentrieren und in denen sich das ankündigt, was aller Wahrscheinlichkeit nach die Basisorganisation des libertären Sozialismus sein wird, nämlich kleine Räte von Hand- und Kopfarbeitern - von Sowjets, wenn man dieses Wort noch benutzen kann und nicht daran denkt was mit den Sowjets tatsächlich passiert ist -, etwas, das ich, und das meine ich ganz ernst, als organisierte Spontaneität bezeichnen würde.
(Herbert Marcuse)