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Eliten in Deutschland- Wer hat dem wird gegeben

Studiengebühren Dass die Tätigkeit zu Lasten des Studiums geht, wird aus folgendem deutlich: 44% der Studierenden im Erststudium arbeiten als Aushilfen, nur halb so viele als studentische Hilfskraft. Im postgradualen Studiengang arbeiten noch 16% der Studierenden als Aushilfe, 10% als studentische Hilfskraft. Bei ihren Tätigkeiten können nur 9% der Studierenden im Erststudium ihre Studienkenntnisse nutzen, im postgradualen Studium können es 17%, immer noch viel zu wenige!

Finanzielle Situation wirkt sich auch auf Wohnungssituation aus

<>Wohnten 2003 noch 23,1% aller Studierenden in einer eigenen Wohnung, lebten 2006 noch 20,1% der Studierenden in dieser Wohnform. Umgekehrt wohnen inzwischen 22,8% der Studierenden bei ihren Eltern (2003: 21,6%) und 24,9% in einer WG (2003: 22,1%). Der Anteil derjenigen, die im Wohnheim leben, zur Untermiete wohnen oder eine gemeinsame Wohnung mit dem/der PartnerIn bezogen haben, stagnierte nahezu.

Der Anteil derjenigen, die eine Wohnung mit einer/einem PartnerIn bewohnen, nimmt stark zu, je älter die Studierenden werden. Die Studierenden bis 21 leben zu 7% mit einer/einem PartnerIn zusammen, die Studierenden ab 30 Jahre leben hingegen zu 52% in einer solchen gemeinsamen Wohnung. Der Anteil derjenigen, die mit 21 noch in einer WG lebten (26%), hat sich bis zum 30. Lebensjahr halbiert. Im Wohnheim leben dann noch 3%, wogegen von den bis zu 21-Jährigen noch 16% in einem Wohnheim wohnen. Stark abnehmend ist auch das Leben bei den Eltern: Bei den 21-Jährigen liegt dieser Anteil bei etwa einem Drittel, bei den 30-Jährigen tun dies nur noch 7%.

Interessant ist auch die Verteilung nach sozialer Herkunft:

Nicht etwa diejenigen mit „niedriger“ sozialer Herkunft leben zumeist in einer WG, sondern diejenigen mit „hohem“ sozialem Background: 28% gegen 18%!

Der Anteil derjenigen, die in einem Wohnheim leben, ist bei den vier verschiedenen Gruppen „niedrig“, „mittel“, „gehoben“ und „hoch“ nahezu gleich (10%, 11%, 11%, 11%).

Der Anteil derjenigen, die sich eine Wohnung alleine leisten, steigt mit der Höhe des sozialen Hintergrunds („niedrig“: 17%, „mittel“: 18%, „gehoben“: 21%, „hoch“: 22%). Die Proporti_on zeigt das „Leben bei den Eltern“ (29%, 25%, 24%, 19%).In Ihrem Buch »Der Mythos von den Leistungseli

ten« beschreiben br

Insgesamt lässt sich in der überwiegenden Mehrheit feststellen, dass die Studierenden mit ihrer Situation zufrieden sind.

Sie, dass Spitzenpositionen in der Wirtschaft, aber auch in Wissenschaft, Justiz und Politik in der Regel nach sozialer Herkunft besetzt werden und die formale Qualifikation, in der sich Leistung ausdrückt,eine untergeordnete Rolle spielt. Wie bewerten Sie vor diesem Hintergrund die Diskussion um Eliteförderprogramme, z.B. das »Elitenetzwerk Bayern« der bayerischen Staatsregierung?_

Eklatant ist jedoch die Entwicklung der Ausgaben für Miete und Nebenkosten: Wurden 1985 im arithmetischen Mittel noch 139 € monatlich hierfür aufgewendet, sind es 2006 mit 266 € fast doppelt so viel. Im Jahre 2000 waren es noch 227 €, sodass der PreisanstiDr. Michael Hartmann:eg innerhalb der zurückliegende

Zum Vergleich: Für die Wohnung können über das BAföG derzeit maximal 197,-€ bereitgestellt werden!

Hoher Beratungsbedarf

Zwei Drittel der Studierenden geben an, dass sie Beratungsbedarf sehen. Ein Viertel und damit die meisten der Studierenden im Erststudium wünschen sich Informationen zur Finanzierung des Studiums, 24% zur Krankenversicherung. Gleichzeitig hat jeder sechste Studierende Zweifel, das Studium fortzuführe Es geht bei diesen Din (16%). 21% brauchen Informskussionen über Elationen zur Finanzierung eineite-Universitäten ods studienbezogenen Auslandsaer Elite-Netzwerke dufenthalts, immer noch 14arum, dass verschied% brauchen Beratungene Interessensgruppen hinsichtlich mit unterschiedlichenVereinbarkeit von St Motiven eine Hiudium und Erwerbstätigkeiterarchisierung der , ebenso viele Sdeutschen Hochtudierende leidschullandschaft ven unter depressiven Verstiorantreiben wollen. mmungen, 11% sehen bei sicAm stärksten ist dh ein mangelnde Selbstwertgabei sicherlich dasefühl, wofür Interesse eines sie sich Beratung wünschenerheblichen Teils der akad. 5% wollen wissen, wie sie emisch ausgebildeten Berufstäihr Studium mit einem Kind vetigen bis in direinbaren können.e Von einer Hierarchisierung der Hochschullandschaft erhoffen sie sich, dass sie ihren Kindern a) eine bessere Ausbildung trotz allgemeiner Sparmaßnahmen bewahren oder schaffen können und< b) in sozialer Hinsichh3t bessere Startch id="ancen auf dem ArbeWassagenanderezudenErgebnissen"itsmarkt. Für den schulischen Bereich heißt das, dass die soziale Selektion erhalten bleibt oder noch leicht gesteigert wird, im Hochschulbereich wird sie stark vorangetrieben. Eine andere Position zeigt sich bei den Wirtschaftsverbänden. Für sie sind bei der Diskussion um Elitehochschulen meiner Meinung nach zwei Motive ausschlaggebend:>

Was sagen andere zu den Ergebnissen?

83 StudienanfängerInnen von 100 sind Kinder von Akademikern, dagegen kommen nur 23% aus einem Arbeiterhaushalt. Sogar das liberale „Handelsblatt stellt zu den Ergebnissen der Sozialerhebungen des Deutschen Studentenwerks fest: „Schon die internationale Schulstudie Pisa hatte ergeben, dass die Abhängigkeit des Schulerfolges von der sozialen Herkunft fast nirgends so groß ist wie in Deutschland.“

1. Man hat die Hoffnung, wissenschaftliche Spitzenleistungen bei reduziertem Hochschuletat erbringen zu können, indem man die Mittel konzentriert, also aus der Breite rausnimmt und schwerpunktmäßig auf einzelne Hochschulen konzentriert. Das erlaubt es, die Diskussion um Steuersenkungen für die Wirtschaft weiterzuführen und gleichzeitig ein bestimmtes Niveau von Forschung an einzelnen Universitäten halten zu können. Das, was man im Grunde bräuchte, nämlich eine deutliche Aufstockung der Mittel insgesamt, würde nämlich zwangsläufig zur Frage nach einer höheren Besteuerung von Unternehmen führen.

Bei solchen Verhältnissen könne man nicht mehr von gerechten Bildungschancen sprechen, erkennt Tobias Janßen, Geschäftsführer der Goldfish Holdings in Düsseldorf und Mitglied im Executive Board American Chamber of Commerce (www. amcham.de). Tobias Janßen ist erfolgreicher Börsenfachmann, seine Firma Goldfish Holdings ist eine internationale Firma, die ihr Augenmerk auf die lukrative Pharma-Industrie legt. Er ist Mitglied im „Amcham“, einer privaten gemeinnützigen Organisation, die die Interessen ihrer 3000 Mitglieder in Deutschland und Amerika (allesamt erfolgreiche Unternehmer) repräsentiert.

Die Bundesregierung will die Quote der StudienanfängerInnen eines Jahrgangs auf 40 Prozent erhöhen. Derzeit liegt sie bei 37%, nach Abzug der ausländischen StudienanfängerInnen sogar nur bei 31 Prozent! Dabei klagten in vielen akademischen Bereichen die Verantwortlichen über einen Mangel an Nachwuchskräften, so Janßen weiter. Er äußert sich auch kritisch gegenüber Studiengebühren.

2. Es gibt augenblicklich so etwas wie ein politisches Bündnis zwischen der Wirtschaft und den schon erwähnten akademisch ausgebildeten Berufstätigen. Das ist für die Haltung der Wirtschaftsverbände in der Schulpolitik entscheidend. Sie halten sich in der Frage der Dreigliedrigkeit zurück, obwohl die hohe Selektivität des deutschen Schulsystems eigentlich nicht in ihrem Interesse liegt, weil sie die politische Unterstützung der akademischen Intelligenz in der Steuerpolitik oder, wie bei Hartz IV, in der Sozialpolitik brauchen. Politisch durchsetzbar ist das nur, wenn es ein relativ stabiles Bündnis gibt. Ideologisch bildet der Begriff der Leistungseliten die gemeinsame Klammer. Er legitimiert die Maßnahmen, die die soziale Selektivität des Schul- und Hochschulsystems erhalten oder sogar verstärken, genauso wie die zunehmende Kluft in der Einkommens- und Vermögensverteilung, die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich. In beiden Fällen ist angeblich die individuelle Leistung ausschlaggebend. Für die Besetzung von Spitzenpositionen sind die Veränderungen im Bildungsbereich allerdings relativ unerheblich. Da könnte man allenfalls sagen, es sichert die Wege durch eine Konzentration der Mittel auf einen noch kleineren Teil der Bevölkerung. DDS:

So ist inzwischen die stärkere Förderung von Bildung nicht mehr nur eine Forderung des politisch linken Spektrum, und die Fassade einst zumindest scheinbar einhelliger Zustimmung zu Studiengebühren bei den Unternehmen hat inzwischen doch starke Anzeichen von Erosion.

Welche Funktion haben Ihrer Meinung nach Studiengebühren?

Dr. Michael Hartmann:Die AG Bildung und Forschung in der SPD bezeichnet die Ergebnisse der 18. Sozialerhebung als „alarmierendes Zeichen für den Zustand der Chancengleichheit in der Hochschulbildung“ und sieht dies als bestätigendes Zeichen für die geforderte BAföG-Erhöhung, wobei die Zusage Bestand habe, hierfür 290 Mio. Euro neue Mittel zur Verfügung zu stellen. „Die Studiengebühren einiger unionsgeführter Länder beginnen sich ebenfalls negativ auszuwirken. Gerade für die SPD, für die in der Bildungspolitik allein das Ziel maßgeblich ist, in allen Bildungsbereichen die Chancengleichheit für alle zu realisieren, sind diese Ergebnisse eine klare Handlungsaufforderung.“

Frau Annette Schavan Studiengebühren sind ein integraler Bestandteil dieser Strategie. Ihre Befürworter sagen, die Gleichmacherei muss ein Ende haben, wir müssen die Hochschullandschaft differenzieren, d.h. immer auch hierarchisieren. Daher müssen, so die Argumentation, die Unis sich ihre Studierenden selber aussuchen dürfen, ebenfalls im Sinne einer Differenzierung und Hierarchisierung. Durch Studiengebühren wird der Effekt, der davon ausgeht, noch drastisch verschärft, weil jetzt schon absehbar ist, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht bei den 500 Euro pro Semester bleiben wird. Schon kurz nach der Urteilsverkündung wurden die Stimmen lauter, die von Anfang an gesagt haben, dass man da nach Universitäten differenzieren und auch höhere Gebühren verlangen muss, etwa 2.000 bis 3.000 Euro pro Semester. Alles zusammen genommen bedeutet das, dass wir eine Hochschullandschaft haben werden, in der es Unis geben wird, wie etwa die TU oder LMU München, die sich ihre Studierenden nach strengen Selektionskriterien aussuchen und höhere Studiengebühren als andere

(CDU), Bundes-Bildungsministerin, hielt sich dann auch gleich bedeckt, blieb der Präsentation der von ihr unterschriebenen Studie fern. Wo sie sonst den Leuten etwas von Eliteförderung, Forschungsleuchttürmen, Exzellenz-Clustern und milliardenschweren Förderprogrammen erzählt, überlies sie das Feld angesichts der bohrenden Ergebnisse der 18. Sozialerhebung offenbar lieber ihrem Parlamentarischen Staatssekretär, Andreas StormHochschulen verlangen werden. Gleichzeitig bekommen solche Hochschulen höhere staatliche Zuschüsse als andere. Wenn Sie sich die Elite-Netzwerke ansehen: Von den etwa 10 Maßnahmen, die man darin fördert, sind 7 in München angesiedelt. Es gilt also das alte Mathäus-Prinzip: Esfindet eine Mittelkonzentration auf die statt, die schon viel haben. Und das wirkt auch im sozialen Sinne. Das hat zwar auch etwas mit Leistung zu tun, trotzdem haben die TU oder LMU München nicht allein deshalb ein so starkes Gewicht in Bayern, weil sie so viel besser sind als die anderen Hochschulen, sondern auch, weil sie bessere Drähte zur Landesregierung und zur Wirtschaft haben. Das wird in Zukunft institutionalisiert werden in dem Sinne, dass, wer einmal oben ist, auch dauerhaft oben bleiben wird.

. Der bellte „Wir brauchen mehr Studienaiellen Situation der< Studierenden erremeichen; dazu diene die angestrebte BAföG-Erhöhung.>

Die GrünenScheinbar im Gegensatz zur Elitediskussion an den Universitätenentwickelt sich die Diskussion zu PISA und den Folgen. Der BDA fordert Chancengerechtigkeit statt Verteilungsgerechtigkeit, deshalb müsse allen Bevölkerungsteilen Zugang zu Bildung und Qualifikation verschafft werden. Auch andere Unternehmerverbändeund wirtschaftsnahe Stiftungen wie Bertelsmann und McKinsey fordern eine grundlegende Reform des Schulsystems. Kann die GEW in ihrem Kampf um Bildungsgerechtigkeit plötzlich auf neue Bündnispartner hoffen und wenn ja, warum?

fordern, der „Hörsaalzugang“ dürfe „nicht vererbt werden“. Mehr Studierende könne man jedoch nur dort gewinnen, wo heute die wenigsten studieren: In den sozial benachteiligten Schichn dieser Bildungspf

Dr. Michael Hartmann:

Die FDP äußerte sich erst gar nicht zu den Ergebnissen der 18. Sozialerhebung.

Nele Hirsch von der Fraktion „Die Linke“ meint: „Wieder einmal ist belegt: Akademiker-Kinder sind bei der Aufnahme eines Studiums im Vorteil, Nicht-Akademiker-Kinder kommen nur mit großer Mühe an die Hochschulen. Mit der Einführung von Studiengebühren und dem jahrelangen Verzicht auf eine Erhöhung der BAföG-Sätze wird der Geldbeutel noch stärker zum Kriterium, das über die Aufnahme eines Studiums entscheidet. Wer kein Geld hat, dem bleiben die Türen der Hochschulen verschlossen. Die halbherzigen Antworten der Bundesregierung werden diesem Problem nicht gerecht. Mit vielen schönen Worten und Beschwichtigungsversuchen lässt sich soziale Ungleichheit nicht abbauen.“

Absoluter Mindestbestandteil von Gegenmaßnahmen müsse die Anhebung des BAföG um mindestens 10% sein, um der frühen Selektion entgegenzuwirken, müssten alle SchülerInnen aus einkommensschwachen Haushalten das BAföG bereits in der Oberstufe zugänglich sein.

Quellen: www.sozialerhebung.de, eigene Recherchen

Auf den ersten Blick verwundert das natürlich schon, dass der BDA solche Forderungen stellt. Man muss aber sehen, dass schon mit dem Begriffspaar Chancen- und Verteilungsgerechtigkeit der klare Zusammenhang zwischen der Einkommens- und Vermögensverteilung in dieser Gesellschaft und der Chance auf höhere Bildung geleugnet wird. Dem entsprechend sieht es dann auch im Konkreten aus. Wenn man sich die Erklärungen genauer ansieht, stellt man fest, dass außer der Forderung nach Ganztagsschulen eigentlich nichts Substanzielles zur Chancengleicheit drinsteht. Hier wird keine Chancengleichheit im gewerkschaftlichen Sinne gefordert. So wird beispielsweise zwar richtigerweise verlangt, dass eine individuelle Frühförderung gewährleistet sein muss, zu der starken Selektion später durch die Trennung in Haupt-, Realschule und Gymnasium äußert sich der BDA jedoch überhaupt nicht. Im Kern enthält die gemeinsame Erklärung von BDA und DGB Forderungen, die auch die meisten Landesregierungen übernehmen könnten: Wir müssen den Unterricht mehr differenzieren oder wir müssen Standards setzen. Ich lese allerdings nichts zu den ganzen Maßnahmen, die im Augenblick tatsächlich laufen und die eine Verschärfung der sozialen Selektion an den Schulen bedeuten. Nehmen Sie das Turbo-Abitur. Je kürzer die Schulzeit ist, umso schwieriger ist es für SchülerInnen aus bildungsfernen Familien, den Abschluss zu schaffen oder nach der Realschule noch auf das Gymnasium zu wechseln. Die Erklärung von BDA und DGB zur Bildungspolitik ist zum einen so wachsweich, dass man nichts Konkretes daraus schließen kann, und zum anderen da, wo sie etwas konkreter wird, kompatibel mit dem, was die meisten Landesregierungen sowieso schon machen. So steht z.B. drin, dass die Durchlässigkeit zwischen den Schultypen vorausgesetzt wird, es nicht nur Durchlässigkeit von oben nach unten geben dürfe und jede Schule für jeden Abschluss offen sein müsse. Das heißt aber nichts Konkretes. Da wird inhaltlich nichts ausgesagt und gefordert. Das Thema, um das es wirklich geht, nämlich unser Schulsystem, diese anachronistische Dreigliedrigkeit, wird nicht einmal angesprochen. Solange das nicht der Fall ist, kann ich nicht erkennen, dass es beim BDA und anderen Unternehmerverbänden eine neue Politik gibt. Es ist in diesem Zusammenhang auch schade, dass sich die GEW so lange gescheut hat, nach PISA öffentlich über die Schulstrukturfrage nachzudenken.

Der Handwerkstag Baden-Württemberg sprach sich für eine 9-jährige gemeinsame Schulzeit aus. Auch der Zentralverband des deutschen Handwerks macht das gegliederte Schulsystem dafür verantwortlich, dass die Mehrzahl der Auszubildenden nicht auf dem Bildungsstand ist, der für eine Berufsausbildung notwendig wäre. Was unterscheidet Ihrer Meinung nach die Kritik der Handwerksverbände von der der anderen Unternehmerverbände?

Dr. Michael Hartmann: Bei den Handwerksverbänden ist die Position deutlicher, weil sie direkt betroffen sind. Das Elend der deutschen Hauptschulen, wenn ich das mal so nennen darf, zeigt sich vor allem in den handwerklichen Berufen, wo die BerufsanfängerInnen schlecht oder unzureichend auf die Anforderungen der Ausbildung vorbereitet sind. Für die Handwerksunternehmer wäre es von großem Vorteil, wenn die Dreigliedrigkeit aufgehoben würde und die Hauptschule nicht ein Reservoir derjenigen wäre, die keine oder kaum eine Chance haben und sich dementsprechend fühlen und verhalten. Hinzu kommt, dass die Verbindungen aus dem Handwerksbereich zu dem, was ich akademische Intelligenz genannt habe, deutlich schwächer sind als bei den anderen Wirtschaftsverbänden. Da gibt es diese Rücksichtnahme nicht, wie ich sie beim BDA u.a. Verbänden sehe. Wenn im Unternehmerbereich überhaupt klare Positionen zur Bildungsgerechtigkeit existieren, dann kommen die immer von Handwerksverbänden. Das war in Baden- Württemberg so, das ist in Hamburg so. Sie haben aber offensichtlich nicht so viel Gewicht, um in den Stellungnahmen der Arbeitgeberverbände wieder aufzutauchen. insofern gibt es einen Unterschied zwischen der Kritik der Handwerksverbände und der der anderen Unternehmerverbände. Aber die Handwerksverbände sind der schwächste Teil im Unternehmerlager.

Das Gespräch führte Ute Schmitt, 3. März 2005

Veröffentlichungen von Michael Hartmann zum Thema:

Elitesoziologie. Eine Einführung. Frankfurt am Main 2004. Der Mythos von den Leistungseliten. Spitzenkarrieren und soziale Herkunft in Wirtschaft, Politik, Justiz und Wissenschaft. Frankfurt am Main 2002.

Topmanager. Die Rekrutierung einer Elite. Frankfurt am Main 1996. Kontakt: hartmann@ifs.tu-darmstadt.de



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