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Das schnelle Geld! ...und dann?

Studiengebühren

Wem passiert das nicht mal während des Studiums? Beim Öffnen des Geldbeutels offenbart sich eine wahrhaft gähnende Leere. Das Konto vegetiert mehr als dass es blüht – der Lohn für die vielen geschuffteten Stunden lässt auf sich warten und ist obendrein nicht wirklich üppig, und schon wieder Oma anpumpen?

„Ach was, viel einfacher!“, meint Anna. „Da gibt’s doch das neue Angebot von dieser KfW, der Studentenkredit. Da kriegt man Kohle aufs Konto, den Antrag auszufüllen, ist auch ganz einfach, und dann bezahlt mans nach dem Studium bequem in Raten ab – ist doch super!“, schwärmt sie weiter. „Und das mit echt günstigen Zinsen!“, ergänzt Thomas, der gerade zugehört hat.

Klingt super – richtig verlockend. Aber ist das mit dem Kredit wirklich so einfach, wie es sich anhört und wie viele reden?

Die KfW – Kreditanstalt für Wiederaufbau – bietet ihren „Studienkredit“ an. Die Auszahlungsphase kann von sechs Monaten bis hin zu sieben Jahren dauern, es gibt auch hier eine „Karenzzeit“, also eine Phase, in der nicht zurückgezahlt werden muss, von maximal 23 Monaten, und schließlich kann dir Rückzahlung („Tilgung“) über bis zu 25 Jahre gestreckt werden – so weit, so gut. Die Auszahlungsbeträge können zwischen 100,€ und 650,€ variieren, es gibt einen „niedrigen Zinssatz“, der Kredit kommt ohne Sicherheiten (Bonitätsprüfung) aus und die Rückzahlung kann flexibel gestaltet werden.

Und dabei gibt’s keinen Haken?
Schauen wir uns das doch mal genauer an. Der „variable“ Zinssatz beträgt derzeit „6,29% p.a. nom.“ Was heißt das überhaupt?

  • variabel heißt, dass der Zinssatz nicht die ganze Zeit konstant bleiben muss, sondern sich ändern kann (dazu später mehr)
  • 6,29% - das ist der Zinssatz
  • p.a. heißt per annum und wird übersetzt mit „pro Jahr“
  • nom. steht für nominell; nominell wird unterschieden von effektiv. Der effektive Zinssatz (eff.)ist der Zinssatz, der auf die gesamten Schulden entsteht. Da Dir nicht alles ausgezahlt wird (Provisionen, Versicherungen,...), ist der Zinssatz berechnet auf das ausgezahlte Geld höher; dann spricht man vom Effektivzinssatz (eff.)

Der Effektivzinssatz wird von der KfW auf der Website mit 6,34% p.a. eff. ausgewiesen, „soweit in der Darlehenszusage nicht anders angegeben“.

Wieso unterscheidet sich nun der Effektivzins eigentlich vom Nominalzins?
Bei Abschluss des Kredits bekommt die abschließende Bank, ob das nun die KfW selbst ist oder ein „Vertriebspartner“ wie das Studentenwerk oder eine Sparkasse, eine Provision („Aufwandsentschädigung“) in Höhe von 232,€, die der Kreditnehmer, also Du, zu bezahlen hat – mit Zins und Zinseszins. Da also die tatsächliche Schuld höher ist als bloß die Summe aus dem, was Dir ausgezahlt wird, ist auch der Effektivzins höher, denn der bezieht noch die 232,€ mit Zins und Zinseszins mit ein.

Der Zinssatz ist „variabel“, das heißt, dass er sich verändern kann. Der Zinssatz der KfW orientiert sich am sog. EURIBOR (*Eur*opean *I*nter*b*ank *O*ffered *R*ate – „Es handelt sich dabei um den Zinssatz, den europäische Banken voneinander beim Handel von Einlagen mit einer festgelegten Laufzeit von einer Woche sowie zwischen einem und zwölf Monaten verlangen.“; Quelle: www.faz.net). Es kommt einem volkswirtschaftlichen Gesetz gleich, dass die Zinsen steigen, wenn die Wirtschaft anzieht – und derzeit brummt die Wirtschaft in Europa, besonders in Deutschland, und es ist kein Ende dieses Aufschwungs abzusehen – also wird mittelfristig auch der Zins steigen.

6,29% p.a. - das ist der Zinssatz. Das heißt, dass bei einem Kredit von 100,€, die am 1.1. geliehen werden, am Ende desselben Jahres 106,29€ zurückbezahlt werden müssen. Das scheint auf den ersten Blick erst mal nicht viel zu sein. Wenn man aber bedenkt, dass gleich am Anfang schon mal 232,€ Provision in den Kredit einfließen, dann monatlich mindestens 100,€ ausgezahlt werden, hätten sich das am Ende des ersten Jahres (Kredit läuft ab 1.1.), ergibt sich alleine für das erste Jahr folgende Verschuldung: 1487,10€. Zum Vergleich: Es wurden 100,



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